Betrüger landen vor Gericht, aber Betrügerchen sehen dabei gut aus!

vito

Mir wurde einmal die Geschichte über einen Richter am Amtsgericht Köln zugetragen, der es im Sommer stets vorzog, nur in Badelatschen und kurzer Hose seinen Dienst abzusitzen. Denn einem sitzenden Richter in Amtstracht kann man nur schwerlich unter den Rock schauen. Für diesen Mann wären die Betrügerchen der GARDE-ROBE genau das richtige Accessoire, um diese Einstellung nicht nur im Sommer durchzuziehen.

 

Das Betrügerchen – auch wenn ich Mode-Legastheniker dies zunächst dachte – ist keine Erfindung der Garde-Robe. Eigentlich ist es der geistigen Schöpfungskraft der Nachkriegsgeneration zu verdanken, dass es ein solches Kleidungsstück gibt. Denn die damaligen modebewussten Damen wollten zumindest den Anschein erregen, dass sie es sich leisten konnten, eine Bluse unter dem Pullover zu tragen.

Dazu für alle, die so wie ich anfangs, mit dem Terminus technicus „Betrügerchen“ wenig anfangen können: Ein Betrügerchen ist sozusagen ein halbes Hemd  bzw. eine halbe Bluse.
Betrügerchen wurden aus den abgedienten Hemden der Älteren hergestellt, um die beschriebene „Kragen-Illusion“ herbeizuführen. Dazu wurden meist die Ärmel abgenommen oder Stoff aus dem Rückenteil oder der Seite entfernt.

Dienten sie zunächst nur dazu, die Kinder für den sonntäglichen Gottesdienst schick zu machen, erfreuten sie sich bald darauf zunehmender Beliebtheit in der gesamten Bevölkerung. Außerdem konnte man den Stoff, den man einsparte, wieder anderweitig verwenden, um z.B. die Länge des Betrügerchens dem Wachstum seiner geliebten Quälgeister anzupassen.

Und da man ja kein wirkliches Hemd bzw. keine wirkliche Bluse unter Omas Pullunder trug, bzw. das neue Kleidungsstück nur die Hälfte des Stoffes eines Hemdes oder einer Bluse in Anspruch nahm, sprach man eben von dem Betrügerchen. Ein sehr charmanter Name wie ich finde.

Tatsächlich erlebte das Betrügerchen um das Jahr 2009 herum ein kleineres Revival. Sogar der Zeit-Online Trend- und Mode-Scriptor Tillmann Prüfer, dessen Kolumnen stets mit einer Mischung aus Witz und Geist bestechen, widmete dem Betrügerchen zu dieser Zeit einen kleinen Artikel. So führte beispielsweise Wolfgang Joop – seines Zeichens Prügelknabe von Karl Lagerfeld – in seiner damaligen Wunderkind-Kollektion das schicke Accessoire der 50er, genau wie der nordische Mode-Riese Cos.

Heute sieht die Mode-Landschaft etwas kahler aus, was die Betrügerchen anbelangt. Und nein, ich meine damit jetzt nicht solche Aktionen wie von den Herren Dolce und Gabbana. Obwohl es nach wie vor als en vogue gilt den Kragen unter dem Pullover durchblitzen zu lassen, ist das Interesse am Betrügerchen geringer geworden.

Dabei würde es doch gerade an wärmeren Tagen so viel mehr Sinn machen, die Kollegen im Büro im smart-casual-Look vor Neid erblassen zu lassen, wenn man unten drunter nur die Hälfte des Stoffes dafür braucht. Auch der eigene Deo-Konsum könnte dadurch deutlich reduziert werden.

Laura und Ullas Idee hinter den Betrügerchen war ja eigentlich, denjenigen Juristinnen das Leben etwas zu versüßen, die nicht nur im Gouvernanten-Style im Büro hocken möchten, sondern auch gerne mal ein Kleid anziehen oder sich anderweitig modisch kleiden möchten und dafür nicht ständig eine Batterie an Wechselklamotten für etwaige Gerichtstermine bunkern wollen.

Doch ich finde, dass das Betrügerchen mehr kann. Insbesondere kann der Umstand ein ganzes Hemd drunter zu tragen, doch auch mit recht viel Stress verbunden sein. Endlich nichts mehr ordentlich in die Hose stopfen! Oder stehe ich mit dieser Haltung alleine da?

Wie auch immer: das Betrügerchen ist ein ziemlich unterschätztes Kleidungsstück. Vielleicht könnte das Leoparden-Muster ja endlich mal wirklich aussterben und etwas Raum für andere Trends machen. Also ein bisschen mehr Nostalgie und Retromanie für die Sachen, die wirklich eine Geschichte haben!

Denn wenn man beobachtet, dass es ja auch mal wieder ziemlich cool zu sein scheint, mehr Löcher als Hose an den Beinen zu tragen, kann ja wohl ein wenig weniger Kleidung am Oberkörper auch nicht verkehrt sein.

Denn wie bei allen Dingen im Leben gilt auch bei Betrügerchen: Weniger ist mehr!

 

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