Robe und Recht: Die Hansestadt Bremen

Hochzeitszug_Bremen

Nach dem flächenmäßig größten Bundesland möchte ich mich in diesem Beitrag nun mit dem kleinsten Bundesland der Bundesrepublik Deutschland befassen: der Hansestadt Bremen.

Auch in der Hansestadt Bremen hat die Tracht jenseits der juristischen Welt eine längere Tradition: Die sogenannte „Bremer Tracht“ ist sogar ein feststehender Begriff.

 

Die Bremer Tracht des 17. Und 19. Jahrhunderts

Unterscheiden muss man dabei allerdings zwischen der Bremer Tracht des 17. Jahrhunderts und der Bremer Tracht des 19. Jahrhunderts. Erstere war der vornehmliche Kleidungsstil des gutbürgerlichen und gut situierten Teils der weiblichen Bevölkerung Bremens nach damaligem holländischem Vorbild, welcher in der Kleiderverordnung der Stadt aus dem 17. Jahrhundert beschrieben wird, während mit letzterer die maritime Volkstracht der einfachen Bürger Bremens des 19. Jahrhunderts gemeint ist.

Essenziell für die Bremer Damenmode des 17. Jahrhunderts waren vor allem ein schwarzer oder roter Rock mit überliegender weißer Schürze, eine Ärmeljacke aus schwarzem Seiden-Damast und rotbestickte Schlupfschuhe. Niemals vergessen durften die Damen der damaligen Bremer High Society den sogenannten Weiberspeck: Hüftpolster, mit denen die Damen auf diese Art und Weise ihre weiblichen Reize noch besser zur Schau zu stellen konnten, um so dem damaligen Schönheitsideal (Wespentaille) zu entsprechen. Um dem ganzen noch das besondere Etwas zu geben, durfte natürlich auch eine passende Halskrause niemals fehlen.

Die Bremer Tracht des 19. Jahrhunderts hingegen war weniger exquisit und eher von praktischem Nutzen.

So trugen Frauen einen schlichten Wollrock – im Bremer Jargon auch „Wullaken“ genannt –und darüber eine Schürze. Der Oberkörper wurde durch ein kleines Jäckchen mit dazu passendem Seidentuch gewärmt und den Kopf zierte eine weiße Haube.

Männer wiederum kleideten sich in Hosen aus Leder und hielten diese mit einem Hosenträger an Ort und Stelle. Dazu trug mein ein schlichtes Leinen- oder Baumwollhemd, über welches man wiederum eine kurze Jacke mit langen Ärmeln trug. Je nach finanzieller Freiheit wurde diese Jacke dann von silbernen oder stoffüberzogenen Knöpfen zusammengehalten. Wichtigstes Accessoire waren jedoch die Lederschuhe mit silberner Schnalle, ohne die sich im 19 Jahrhundert kein modebewusster Bremer aus dem Haus getraut hätte.

Leider findet sich nicht mehr von der „klassischen“ Bremer Tracht in der Bremer Amtstracht für Staatsdienerinnen und Staatsdiener wieder, wobei auch hier einige Besonderheiten zu beachten sind.

Die Bremer Amtstracht für Staatsdienerinnen und Staatsdiener

Zunächst wäre da die Farbe der Robe. So heißt es in der Allgemeinen Verfügung des Senators für Justiz und Verfassung über die Amtstracht bei den Verwaltungsgerichten vom 15. März 1994 unter Ziffer II:

Die Amtstracht besteht aus einer Robe in dunkelblauer Farbe […]“

Dies gilt allerdings nur für die Verwaltungsgerichtsbarkeit in Bremen. An den übrigen Gerichten ist die Farbe der Robe wie gewohnt schwarz.

Anderes gilt hingegen wieder für die Farbe des Besatzes für bestimmte Richterinnen und Richter: Vor dem Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen muss dieser aus violettem Samt bestehen wie es in der Allgemeinen Verfügung des Senators für Justiz und Verfassung über die Amtstracht bei den Sozialgerichten vom 25. September 1997 festgeschrieben ist.

Die grundlegende Verordnung für die ordentliche Gerichtsbarkeit in der Freien Hansestadt Bremen stellt wiederum die Allgemeine Verfügung des Senators für Justiz und Verfassung betreffend die Amtstracht bei den ordentlichen und den diesen angegliederten Gerichten vom 1. November 1962 dar.

Diese legt zum einen die Pflicht zum Tragen der Amtstracht für Staatsdiener selbst fest und regelt weiterhin etwas genauer die Beschaffenheit der Robe selbst. Anzumerken ist, dass bis zum 16. Februar 1970 auch das schwarze Barett Teil der Amtstracht war.

Ansonsten regelt die Allgemeine Verfügung die „Besatz-Hierarchie“ im Gerichtssaal: Bei Richtern, Staats- und Amtsanwälten hat dieser aus Samt, bei Rechtsanwälten aus Seide und bei Urkundsbeamten aus Wollstoff zu bestehen.

Alle Verfügungen haben jedoch gemein, dass Staatsdienerinnen und Staatsdiener in der Freien Hansestadt unter der Robe ein weißes Hemd bzw. eine weiße Bluse zu tragen haben, wobei mit „weiß“ ausschließlich weiß gemeint ist, wie eine Anfrage der GARDE-ROBE beim Senator für Justiz und Verfassung der Freien Hansestadt Bremen ergeben hat. Selbst kleinere farbliche Details beispielsweise am Kragen sind unzulässig.

Keine Maßgaben werden bezüglich der Länge und Breite des Besatzes gegeben, geschweige denn genauere Angaben bezüglich der Tiefe der Falten am Rücken der Robe wie es beispielsweise im Freistaat Bayern der Fall ist.

Es zeigt sich, dass wenn sich auch leider die Bremer Tracht nicht im juristischen Bereich fortsetzen konnte, dennoch etwas speziellere Regelungen für die Amtstracht gelten als man es zunächst vermutet.

An dieser Stelle möchte ich dem Senator für Justiz und Verfassung der Freien Hansestadt Bremen bzw. dem zuständigen Sachbearbeiter – Herrn Dr. Maierhöfer – dafür danken, dass sie die Anfrage der GARDE-ROBE so ausführlich und umfassend beantwortet haben.

 

 

 

 

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